Lieferkette

Orangensaftlieferkette: Nachhaltigkeit endet nicht mit der Ernte

Der Weg des Orangensafts vom Baum bis auf den Frühstückstisch ist sehr komplex. Viele verschiedene Akteure sind an den Prozessschritten der Lieferkette beteiligt. Jede Stufe ist mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert.

Orangenpflücken im Akkord

Die Arbeitsbedingungen auf den Orangenplantagen sind oft von niedrigen Sozialstandards geprägt: Während der Ernte arbeiten die Arbeiter*innen im Akkord, um Löhne zu erwirtschaften, die ihnen und ihren Familien ein Überleben zu ermöglichen. Dabei arbeiten sie teilweise ohne Schutzkleidung, insbesondere gegen Pestizide, und unter hoher körperlicher Belastung. Da die verschiedenen Sorten von Saftorangen nicht zur gleichen Zeit reif sind, müssen sie weitgehend von Hand gepflückt werden. Verstöße gegen Arbeitszeiten sind weit verbreitet. Da Gewerkschaften die Arbeit enorm erschwert wird, sind Tarifverträge nahezu nicht existent.

Neben diesen sozialen Missständen bringt der Orangenanbau in Brasilien auch ökologische Probleme mit sich: Der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln sowie der hohe Wasserverbrauch belastet die Umwelt.

Wenige Produzenten beherrschen den Markt

Einen Großteil des exportierten Orangensaftes produzieren einige wenige Konzerne. Diese Hersteller von Orangensaft — der entweder als Direktsaft (NFC) oder Konzentrat (FCOJ) zum Verkauf produziert wird — haben daher einen großen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen und die Löhne der Arbeiter*innen. Sie haben auch großen Einfluss auf die Preise von Orangen, die von Kleinbäuerinnen und -bauern angepflanzt werden. Aufgrund dieser Marktsituation sind abnehmende Unternehmen in Europa auf die Zusammenarbeit mit diesen Herstellern angewiesen.

Von den Abfüllern über den Einzelhandel in die Kühlschränke

Nach der Ankunft in Europa wird aus dem Fruchtsaftkonzentrat wieder Saft hergestellt, der abgefüllt wird und so in den Handel gelangt. FCOJ wird auch für die Herstellung anderer Getränke wie Limonaden oder Nektar verwendet.

Abfüller von Orangensaft vermarkten das Getränk zum Teil als Eigenmarken. Darüber hinaus wird er für andere Marken abgefüllt.  Nach der Abfüllung gelangt der Orangensaft in den Lebensmitteleinzelhandel und den Getränkefachhandel.

Aufgrund der Beliebtheit von Orangensaft im deutschen und europäischen Markt obliegt gerade den Abfüllern und dem Einzelhandel eine große Verantwortung:

Auch wenn der Preis bei Getränken und Lebensmitteln in Deutschland ein wichtiges Kaufargument ist, können sie soziale, ökonomische und ökologische Standards in der Orangensaftproduktion einfordern und eine nachhaltige Produktauswahl ermöglichen.